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Buchtipps
Literatur-Tipp
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Schon im Sommer 2009 hab ich mir als Ferienlektüre das Buch "Das Leben ist ein Fußballspiel - dem 1. FC Kaiserslautern verfallen" von Björn Schmidt gekauft und gelesen. Das Buch hab ich per Zufall bei "Thalia" in Pirmasens entdeckt - und als eingefleischter FCK-Fan hab ich mich riesig auf das Lesen des Buches gefreut.
Ich hatte genau in der Zeit, von der der Autor berichtet, eine Dauerkarte, hab also alles hautnah miterlebt. Meine Hoffnung war, dass einer, der noch näher an der Fanszene des FCK war als ich, einer, der zum echten "harten" Kern der Fans aus Block 8 gehört hat, berichtet, wie dort die Erfolge und auch Misserfolge des FCK wahrgenommen wurden. Ich wollte einen echten "Insider"-Bericht lesen und mich dabei an meine eigenen Erfahrungen aus dieser Zeit erinnern.
Jedoch wurden diese Erwartungen an das Buch sehr schnell zerstört. Im Nachhinein muss ich fragen, was Björn Schmidt geritten hat ein solches Buch zu schreiben. Denn - um das mal auf einen Nenner zu reduzieren - er hat wesentlich weniger in den 90ern miterlebt als ich!
Weder war er ein Teil des "harten" Kerns der Fanszene, noch hat er die positiven und negativen Momente nach der Meisterschaft 1990 live miterlebt - ganz im Gegenteil: Schmidt gibt in dem Buch sogar an, dass er sich eher zurückgezogen hat, weil für ihn andere (private) Probleme im Mittelpunkt seines Lebens standen.
Schmidt kann eigentlich über diese Zeit gar nicht mitreden - und dass ist schon ein wesentlicher Kritikpunkt für mich an seinem Buch. Er hat auch den Fußball in keinster Weise in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt - wie es der Buchtitel vermitteln will. Vielmehr darf der Leser über die privaten Probleme von Herrn Schmidt nachgrübeln und auch erfahren, dass er (wohl der einzige) war, der bereits 1997 nach dem Aufstieg sicher war, dass der 1. FCK nur ein Jahr später den Meistertitel holen würde (vgl. S. 266). Auf diesem Niveau bewegt sich auch der Großteil des Buches - belangloses und teilweise sehr schwülstiges Geschwätz eines "Möchtegern", der nicht wirklich viel zu sagen und zu berichten hat!
Schmidt kann gerade über die emotionalen Jahre 1996 (Abstieg), 1997 (Aufstieg) und 1998 (Deutscher Meister) nicht viel besteuern - und hier mangelt es dem Buch enorm. Denn nach der Schilderung des Spiels 1. FCK - FC Barcelona ist das Buch, was die Erlebnisse des Autors auf dem "heiligen Betzenberg" angeht, eigentlich schon zu Ende. Und das ist, für Fans wie mich, die den FCK gerade in den 90ern sehr nah und intensiv miterlebt haben, nicht nur schade - sondern fast schon ein kleiner Betrug!
Björn Schmidt hat z.B. nicht miterlebt, was es für ein Gefühl war, als der FCK als Tabellenführer ein paar Tage vor Weihnachten 1997 den FC Bayern München mit 2:0 nach Hause geschickt hat und somit "Herbstmeister" war. Und noch besser - als dann im Februar 1998 beim Auswärtsspiel in Stuttgart der FCK durch Hristov mit 1:0 in Führung ging gegen eine starke Stuttgarter Mannschaft und es - zum ersten Mal in dieser Saison - die lauten Sprechchöre gab "Deutscher Meister wird nur der FCK!". Ich kann mich an diese sehr bewegenden Moment noch ganz genau erinnern. Und es stellt sich wirklich die Frage - aus welchem Grund jemand ein Buch schreibt, der zum eigentlichen Kernthema nicht viel beizutragen hat.
Über die Meistersaison 1997/98 - eine, das wird doch wohl jeder Fan zugeben, der besonderen Saisons des FCK - schreibt der Autor: "Es sollte verzichtbar sein, die Spiele des legendären Jahres im Einzelnen aufzulisten" (S. 274). Na klar - schließlich hat er, wenn überhaupt, die Ergebnisse nur im TV und selten bis gar nicht im Stadion miterlebt! Noch besser wird es in der Folgesaison, in welcher der 1. FCK nicht nur in der Champions League spielen durfte, sondern sich auch als erste aller Mannschaften für die KO-Runde qualifizierte: "Nun also Champions League. Offen gestanden war ich bei keinem einzigen Spiel der neuen Saison mehr Gast im Fritz-Walter-Stadion" (S. 285).
Mir hat "Das Leben ist ein Fußballspiel" nicht besonders gefallen, ganz im Gegenteil: Ich hab mich bei der Lektüre des Buches sehr oft über diese belanglosen und uninteressanten Themen geärgert, über die der Autor schreibt - ohne auch nur den geringsten Bezug zum Thema Fußball oder FCK herzustellen. An vielen Stellen hat man das Gefühl, dass Schmidt gerne den ein oder anderen Witz oder eine ironische Bemerkungen einstreuen wollte - was aber in keinster Weise gelungen ist, denn das Buch kann nicht nur inhaltlich in keinster Weise auch nur ansatzweise das halten, was es verspricht - es ist auch teilweise sprachlich nicht sonderlich gelungen.
Um den gewählten Titel dann auch wirklich ad absurdum zu führen und aufzuzeigen, was die "wirkliche" Aussage des Buches ist, sei hier stellvertretend das folgende Zitat erwähnt: "Ich fraß mich hartnäckig und pflichtbeflissen in das nicht mehr vermeidbare Berufsleben hinein und hatte mit Fußball so viel zu tun wie ein deutscher Abstiegskandidat mit dem Ausgang der brasilianischen Meisterschaft" (S. 322). Daher hab ich eine Bitte an alle, die an dem Buch Interesse haben: Kauft bitte dieses Buch nicht! Es ist eine der literarisch größten Enttäuschungen, die ich je erlebt habe! Björn Schmidts Buch sollte irgendwo in der Versenkung verschwinden - und am besten nie wieder auftauchen. Mir bleibt zu hoffen, dass irgendwann ein Fan seine Geschichte aufschreibt, der auch wirklich "dabei" war und "echte" Erlebnisse zu berichten hat.